Miriam Dohr

Rochus Hospital Telgte

Mein FSJ mache ich im Rochus-Hospital in Telgte, einer Fachklinik für Psychiatrie und Psychotherapie. Meine Patienten haben allerdings keine geistigen Störungen - das fällt nämlich jedem zuerst bei dem Wort "Psychiatrie" ein - , denn ich arbeite auf der "Station Christophorus", der Drogenentzugsstation. Drogensüchtige sind ein Tabuthema und eine Bevölkerungsgruppe, die sehr harten Vorurteilen unterliegt.

Manche mögen stimmen: die Patienten haben oft eine kriminelle Vergangenheit z.B. durch Dealerei, sie leben oft auf der Straße, sie sehen krank aus und sie sind es ja auch. Aber längst nicht alle entsprechen diesem Bild, manche sind erschreckend normal, haben Beruf und Familie, sind solide Menschen. Dieses Jahr hat mir die Möglichkeit geboten mehr zu erfahren über die Gründe der Drogensucht, den sozialen Abstieg und den Versuch clean zu werden und zu bleiben. Durch meinen Kontakt mit diesen Menschen habe ich erfahren, dass hinter einer rauen Schale oft ein weicher Kern liegt, dass fehlende Liebe einfach durch hartes Aussehen und provokatives Verhalten ersetzt wird. An den rauen Umgangston hab ich mich inzwischen gewöhnt, denn da beginnt der Hauptteil und zugleich der schönste Teil meiner Arbeit. Neben Botengängen, Mitorganisation des Stationsalltages und hauswirtschaftlichen Tätigkeiten ist der Kontakt mit den Patienten durch Gespräche z.B. auf Spaziergängen für mich die wichtigste Aufgabe. Und gleichzeitig auch gar nicht schwer, denn Zuwendung und Ernstnahme sind hier die Zauberwörter. Außerdem hab ich viel über andere Kulturen gelernt, da die Patienten nicht nur deutsch, sondern auch vor allem russischer oder türkischer Herkunft sind. Das multiprofessionelle Team (Pfleger, Ärzte, Psychologe, Sozialarbeiterin) hat mir die verschiedenen Arbeitsweisen mit den Patienten gezeigt und mich außerdem immer unterstützt. Jetzt, nachdem schon leider die Hälfte meines FSJ vorbei ist, denke ich anders über die Drogensucht bzw. die Süchtigen, denn ich kenne die Hintergründe. Und ich selbst hab mich natürlich auch verändert. Ich bin selbstbewusster geworden, hab praktische Erfahrungen im sozialen Bereich gemacht, weiß jetzt, wie meine Zukunft aussehen soll und hab viele neue Freunde gefunden. Zu den Seminaren kann ich nur sagen: eine schöne und auch sinnvolle Abwechslung zur Arbeit, bei der man auch Probleme mit "Gleichgesinnten" lösen kann und gleichzeitig sauviel Spaß hat. Und auf die Teamer kann man immer zählen. Ich finde, das Jahr geht viel zu schnell vorbei!!!