Florian Plock

St. Josef-Stift Sendenhorst

Ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) im pflegerischen Bereich in einem Krankenhaus? Bin ich überhaupt der Typ dafür, welcher anderen Menschen helfen kann, sie pflegen kann und ihnen Halt gibt? Bin ich überhaupt der Typ dafür, der mit jungen und alten, dementen und psychisch labilen Patienten eine körperliche und geistige Beziehung eingeht?

 

Kann ich das überhaupt?

 

Diese Fragen habe ich mir vor meinem FSJ gestellt. Jetzt, ein Jahr später, kann ich all diese Fragen beantworten und kann vorwegnehmen, dass mir dieses eine Jahr in der Krankenpflege sehr viel gegeben hat. Die Fragen zu Beginn dieses Berichts würde ich mir heutzutage nicht mehr stellen. Ich kann sie aus meiner Sicht positiv beantworten. Das FSJ hat mir gezeigt, dass ich durchaus der Typ dafür bin, im pflegerischen Bereich zu arbeiten und der Vielzahl von Patienten, welche ich in meinem Jahr kennengelernt habe, zu helfen.

Mein FSJ habe ich im St. Josef-Stift in Sendenhorst gemacht. Ein Krankenhaus für (Kinder-) Rheumatologie, Rheumaorthopädie, Orthopädie und Wirbelsäulenchirurgie. Ich war ein Jahr lang auf der Station C3 tätig. Diese Station ist eine reine Privatstation und dort sind alle medizinischen Fachabteilungen vertreten. Die Station wurde erst vor ca. 3 Jahren in einem völlig neuem Gebäudekomplex eingerichtet, welcher zum Aushängeschild des Krankenhauses geworden ist. Bei voller Auslastung haben 25 Patienten auf der Station Platz, welche sich wie folgt aufteilen: 9 Betten Orthopädie, 7 Betten Wirbelsäulenchirurgie, 5 Betten Rheumatologie und 4 Betten Rheumaorthopädie. Somit stehen 20 Betten für die operative Behandlung zur Verfügung (Wirbelsäulenchirurgie, Orthopädie und Rheumaorthopädie) und 5 Betten für die rheumatologischen Patienten, welche wie auch die postoperativen Patienten im hauseigenen Therapiezentrum eine Vielzahl von Anwendungen (Physiotherapie, Ergotherapie etc.) nutzen können.

Die Arbeitszeiten teilen sich in Frühschicht (6.00-14.15 Uhr), Regeldienst (7.00-15.15 Uhr) und Spätschicht (12.45-21.00 Uhr) auf. Wobei ich in der Regel immer Früh- und Regeldienst im Wechsel hatte. Diese Dienstzeiten ermöglichten es mir auch noch Freizeitbeschäftigungen wie Sport etc. nachzugehen. Das ist beim Spätdienst oft nicht möglich.

Mir wurde sehr schnell klar, dass die Arbeit eines FSJlers nicht nur eine zusätzliche Hilfe für die Mitarbeiter der Station darstellt, sondern auch gleichzeitig eine enorme Entlastung ist. Die Verantwortung, die ich übernehmen durfte, die medizinische Behandlung der Patienten die mir anvertraut wurde und der respektvolle und freundschaftliche Umgang mit mir waren Fixpunkte für mich, an denen man sich auch in schwierigen Situationen aufrichten konnte. Das Leistungsniveau dieser Station ist sehr hoch angesiedelt. Gerade durch die vier medizinischen Fachabteilungen ist ein flexibles Arbeiten und eine perfekte Arbeitsplanung des Pflegepersonals notwendig. Umso wichtiger ist es, dass man selbständig seine Arbeit organisiert und viel Eigeninitiative zeigt. Fähigkeiten, die ich auch gerade durch mein FSJ ausbauen konnte und die mich bei meiner täglichen Arbeit gestärkt haben.

Spaß hat mir mein FSJ auch deshalb gemacht, weil ich gerne im medizinischen Bereich arbeite und dies auch in Zukunft tun werde, weil ich ein sehr gutes Verhältnis zu meinen Kolleginnen und Kollegen gehabt habe und weil der Patient mir das Gefühl gegeben hat, dass er mir seine Sorgen und Wünsche anvertrauen kann und sich bei meiner Pflege gut aufgehoben fühlt. Das waren für mich unverzichtbare Bestandteile meines FSJs, ohne die ich nicht jeden Morgen mit einem guten Gefühl zur Arbeit gefahren wäre.

Meine Tätigkeiten auf der Station waren sehr komplex, sprich: sie füllten meine Schicht vollends aus. Dazu zählten pflegerische und medizinische Arbeiten am Patienten, aber auch hauswirtschaftliche Tätigkeiten wie Wäschebestellung, Stationsbestellungen, Essensaufnahme etc. Gerade die pflegerische und medizinische Betreuung des Patienten war am reizvollsten und wurde mir von meinem Anleiter als auch vom restlichen Pflegepersonal mit sehr viel Geduld und Genauigkeit beigebracht. Insofern habe ich in diesem Bereich sehr viel Erfahrung sammeln können, die mir bei meinen zukünftigen Tätigkeiten im medizinischen Bereich sicherlich hilfreich sein wird.

Ich kann ein FSJ im St. Josef-Stift in Sendenhorst nur weiterempfehlen. Ich persönlich habe mein FSJ direkt nach meinem Schulabschluss gemacht und konnte durch dieses Jahr erstmals im praktischen Bereich arbeiten, bevor ich mich in Zukunft wieder auf die Lehrbücher stürzen werde. Das FSJ war eine positive Auszeit vom theoretischen Lernen für mich und hat mir eine andere Sicht auf den Pflegeberuf gegeben, den ich somit sehr zu schätzen gelernt habe.

Das Jahr hat mir gezeigt, dass ein FSJler, im speziellen auf der Station C3, Interesse an der Medizin haben sollte und gerne mit Menschen arbeiten möchte. Zudem sollte man seine Arbeit gut organisieren können und ein gewisses Selbstvertrauen und Durchsetzungsvermögen gegenüber den Patienten aber auch den Mitarbeitern zeigen. Ein FSJler ist keine Arbeitskraft, die nur tut was ihr gesagt wird, sondern die auch Eigeninitiative zeigt und eigene Vorstellungen umsetzt. Genau das ist es meiner Meinung nach auch, was der Arbeitgeber vom FSJler erwartet.

Abschließend kann ich nur sagen, dass mir das FSJ auf der Station C3 des St. Josef-Stifts in Sendenhorst sehr viel Spaß gemacht, gleichzeitig aber auch meine Persönlichkeit weiterentwickelt hat. Das Jahr hat mir andere Sichtweisen offen gelegt, sowohl im pflegerischen und medizinischen Bereich, aber auch im zwischenmenschlichen Bereich. Ich würde immer wieder ein Freiwilliges Soziales Jahr machen und kann es jedem nur empfehlen.

 

Florian Plock